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  • Post published:Juni 2, 2019

Kosmos & tote Schmetterlinge:
Fresken der Villa Medici in Rom

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© By Sheila 

Medici. Schon in jungen Jahren hat mich diese Familie fasziniert, die nicht nur mit einmaliger strategischer Schläue geherrscht hat, sondern auch einige der bedeutendsten Werke der Renaissance in Auftrag gab. Mehr noch: Kunst war für sie ein wichtiges Werkzeug, das auf raffinierte Weise für den Machterhalt eingesetzt wurde. Der Einfluss der Medici hat in der gleichnamigen Villa in Rom eine Schönheit manifestiert, die fast schon erschreckt. Ein Besuch war also Pflicht.

Wie bei den meisten historischen Objekten, über die ich auf taleslikeart.com schreibe, gehe ich auch hier lieber näher auf ein oder zwei spannende Aspekte ein, statt zu versuchen ein Gebäude wie die Villa auf dem Pincio Hügel in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Es wäre sowieso unmöglich. An diesem Ort, der für mich als Mischung aus Paradies und Macht in Erinnerung geblieben ist, fiel mir das besonders schwer. Alleine der Pfau, der durch die Renaissancegärten der Villa stolziert und an die exotischen Sammlervorlieben der Medici erinnert, wäre einen ganzen Artikel wert. (Ein Video davon gibt es übrigens auf Instagram in meinen Story- Highlights zu sehen).

The charming little studio of Ferdinando de' Medici
Fresken von Jacopo Zucchi, die exotische Tiere und Früchte zeigen.

Ebenso das zauberhafte kleine Studio Ferdinando de‘ Medicis, dekoriert mit märchenhaften Fresken Jacopo Zucchis (eine Einführung dazu ebenfalls auf Instagram). Aber nein, was für mich ein eindrucksvolles Beispiel über die Verschmelzung von Kunst und Politik darstellt, das sind die Decken der Prunkzimmer, in denen einst Ferdinando de‘ Medici wohnte. Gewissermaßen sind sie eine Wolke aus kalkulierten Botschaften der Medici,  die über Besuchern schwebt und die bis heute nicht enträtselt wurden.

Reichtum und Sinnlichkeit bestimmen die Atmosphäre der Räume, auch wenn die Villa mittlerweile die französische Akademie in Rom beherbergt. Die Pracht der Malerei Jacopo Zucchis, einem der Lieblingskünstler Ferdinandos, hat sich großteils erhalten. Wie so oft bei Kunstwerken, die im Auftrag der Medici entstanden, dominiert die Schönheit der Werke den ersten Eindruck, während sich dahinter komplizierte (politische) Botschaften für die erschlagenen BesucherInnen verbirgt. Im Falle der Decken der Räumlichkeiten stecken diese in einem kompliziertes Programm aus Mythologie und kosmologischen Allegorien- an der Entschlüsselung arbeiten Historiker noch.

The frescoes display mythological creatures and cosmological allegories.
Die Darstellungen mythologischer Kreaturen und Allegorien an den Decken der Räume.

Eine Möglichkeit ihres Inhalts könnte die Darstellung des Geburtshoroskops Ferdinando de‘ Medicis sein, was im Einklang mit der Mode der Zeit gestanden hätte. Die Fresken zeigen unter anderem Götter wie Jupiter und Venus, Löwen im Zusammenhang mit dem Sternzeichen Löwe, unter dem Ferdinando geboren wurde und die Göttin Minerva, als Symbol römischer Macht. Die Überlieferung besagt, dass das Geburtshoroskop Herzog Ferdinandos diesem ein königliches Schicksal voraussagte. Sein Vater Cosimo I. verbarg es darum vor seinem fünftgeborenen Sohn, um spätere Gewalttaten zu verhindern. Fakt ist, Ferdinandos vier Brüder starben, wobei Ferdinando bei seinem älteren Bruder möglicherweise die Hände im Spiel hatte.

Home of true Power: the Villa Medici in Rome.
Palast der Macht: Die Villa Medici in Rom.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch die Ausstattung im „Raum des Jupiter“. Ein Nachfolger Ferdinandos, Großherzog Cosimo III., hatte hier ursprünglich den Großteil der überaus sinnlichen Malereien Jacopo Zucchis verbrennen lassen. Erst kürzlich wurde die Decke durch Claudio Parmiggiani neu gestaltet. Seine modernen, silbrigen Werke offenbaren bei genauerem Hinsehen Formen von Faltern. Und tatsächlich, es sind die Abdrücke toter Schmetterlinge, die Parmiggiani auf den Oberflächen verewigt hat. Der Raum wird dadurch geprägt von einem kühlen und zeitlosen Eindruck. Durch die Reflexion des Lichtes scheinen sie zu flattern, die toten Schmetterlinge im Palast der Macht.

Claudio Parmiggiani
Die Werke von Claudio Parmiggiani zieren neuerdings die Decke im "Raum des Jupiter".

Bis zum nächsten Beitrag…

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This Post Has 2 Comments

  1. Ron

    Thank you, Madam !

    „O wie fühl ich in Rom mich so froh! gedenk ich der Zeiten,
    Da mich ein graulicher Tag hinten im Norden umfing,
    Trübe der Himmel und schwer auf meine Scheitel sich senkte,
    Farb- und gestaltlos die Welt um den Ermatteten lag…“

    1. Sheila

      Was für ein wunderschöner Kommentar und Gedicht.
      So viel Poesie und mein Abend ist schöner geworden.
      Alles Liebe, Sheila

      P.s. follow me on instagram @taleslikeart.

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