Seiten pflücken: Im Literaturmuseum in Wien

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© By Sheila 

Ein regnerischer Tag und die ewige Frage: Buch oder Museum? Geht doch beides. Diese Woche habe ich das Literaturmuseum der österreichischen Nationalbibliothek in Wien besucht. Und das hatte es in sich…

Zugegeben, ich habe dieses eher unbekannte Museum in Wien gleich einmal schwer unterschätzt. An Größe, Vielseitigkeit, Reichhaltigkeit. Das Gute daran: Ich weiß jetzt, wohin ich jederzeit wiederkommen kann, wenn der Himmel bewölkt und die Zeit richtig ist, für ein bisschen Literatur und ein bisschen Museum.

One of the very sweet arranged corners at the Literature Museum of Vienna.
Die Räumlichkeiten hier wurden mit viel Liebe zum Detail ausgestattet.

Wir schreiben den 23. April, es ist ein Tag im Zeichen des Buchs. Genauer, der Welttag des Buchs. Wohin treibt es mich also diese Woche für meinen schönen Blog? In das Literaturmuseum in Wien. Schon der Ort und das Gebäude gefallen mir, zentral gelegen (in der Johannesgasse im ersten Bezirk in Wien).  Sobald ich durch die Türen trete, ist es still. Ich habe das gerne, denn in den großen Museen in Wien, so prachtvoll sie auch sind und so bereichernd ihre Ausstellungen, bekomme ich nicht selten Kopfweh ob der vielen Touristen. 

Eye-catcher: The beautiful stairway of the Literature Museum in Vienna.
Beliebt auf Instagram: Das Stiegenhaus (weiteres Bild unten).

Während meines gesamten Aufenthalts im Literaturmuseum, etwa drei Stunden lang, treffe ich insgesamt vier Menschen in den Räumlichkeiten. Darunter ein Security, der ein außergewöhnlich freundlicher ist. Gut, vielleicht lag es auch an der Uhrzeit, Mittwoch 15h ist selbst bei eingefleischten Wiener Kulturfans nicht die beliebteste Zeit, um Museen zu erkunden. Gefreut hat es mich trotzdem. Es sind die kleinen Dinge.

View into the exhibition rooms at the Literature Museum Vienna.
Ein Blick in die Ausstellungsräume des Literaturmuseums.

Die Ausstellungsstücke im Literaturmuseum sind derartig vielseitig, dass man die erste halbe Stunde etwas erschlagen durch die Gänge wandert. Ein erster Blick hier, einer da. Die Masse ist schier endlos, ob Werke oder Künstler. Vicki Baum (Autorin des Bestsellers „Menschen im Hotel“, später mit Greta Garbo als „Grand Hotel“ verfilmt) ist genauso vertreten wie Ödön von Horvath, um nur zwei meiner Lieblinge zu nennen.

Dabei wurde viel Wert auf die persönliche Note gelegt: Handschriftliche Notizen, stimmige Portraits und Zitate erfreuen das Herz von Literaturliebhabern. Und es werden Schattenseiten gezeigt. Bilder von jüdischen Wienern, die vor den Augen eines Mobs die Straßen putzen. Mir tat das Herz weh, als ich die hämischen Blicke einerseits und die putzenden Bürger andererseits vor mir sah, darunter brilliante Schriftsteller. Es ist gut und richtig, solchen Fotografien einen großzügigen Platz einzuräumen, genau wie hier. Vor allem da ich in letzter Zeit das Gefühl bekomme, viele Menschen haben vergessen, wie furchtbar und unmenschlich Kriegszeiten sind. 

A portrait of Vicki Baum
Ein treffendes Portrait von Vicki Baum, Autorin des Weltbestsellers "Menschen im Hotel".

Zurück zum Museum: In einem gelungenen Versuch wird hier auf drei Stockwerken die österreichische Literatur in Formen, Farben, ihre prominenten Vertreter und Zeitgeschichte aufgearbeitet. Besonders schön ist auch die Betonung der lokalen Schauplätze und Orte in Wien, an denen (Literatur-) Geschichte geschrieben wurde. Im obersten Stockwerk befindet sich aktuell die Ausstellung „Wien. Eine Stadt im Spiegel der Literatur.“ Wer es hinauf schafft, dem wünsche ich viel Vergnügen. An dieser Stelle habe ich zugegeben kapituliert. Und gleich im Anschluss den Wetterbericht für nächste Woche angesehen. Dienstag soll es wieder regnen…

Ein letzter Blick in das wunderschöne Stiegenhaus

Bis zum nächsten Beitrag…

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