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  • Post published:Mai 26, 2019

Santa Maria Maggiore:
Blütenregen und Blutgold für die heilige Jungfrau

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© By Sheila 

Rom. Eines meiner ersten Ziele in der ewigen Stadt war die Basilika Santa Maria Maggiore. Über 1500 Jahre alt und gelegen auf dem Esquilinhügel, ist sie eine der wenigen Kirchen in Rom, die ihre frühchristliche Struktur bewahrt hat. Und wie auch bei vielen anderen historischen Gebäuden begann ihre Geschichte mit einer Legende.

Wir schreiben den fünften August 352. Papst Liberius und der Patrizier Johannes erwachen aus einem Traum, in dem ihnen die Jungfrau Maria erschienen war. Mit dem Befehl, ihr zu Ehren an der Stelle, an der sie morgen Schnee vorfinden würden, eine Kirche zu bauen. Das Wunder geschieht: Auf dem Esquilinhügel liegt das weiße Nass und bald darauf der Grundstein für eine der bedeutsamsten Kirchen Roms.

Details of the golden interior of Santa Maria Maggiore.
Details des goldenen Dekors von Santa Maria Maggiore.

Legende bleibt in meinen Augen Legende, diese ist aber der Anlass für meinen ersten Tipp: Jedes Jahr regnet es am 5. August in der Basilika Santa Maria Maggiore weiße Blüten von der Decke, im Gedenken an das Wunder Mariens. Ein Spektakel, bei dem ich gern dabei gewesen wäre und das ich allen Besuchern Roms nur ans Herz legen kann. Aber es ist Mai, der August noch fern und so steige ich mit einem Führer das alte Treppenhaus der Basilika hinauf. Direkt bis zur Loggia dieser Kirche, die ich zuvor vom Platz aus bestaunt habe.

Exploring the loggia of Santa Maria Maggiore
Nichts lieber als ein kleiner Spaziergang auf der Loggia der Basilika (Vollansicht unten).

Ich stehe oft vor den Fassaden und Dächern historischer Bauten, mit ihren überlebensgroßen Figuren, Bögen, Giebeln und Kuppeln und stelle mir vor, wie es wäre  dort oben zu wandern. Im Zuge meiner Führung konnte ich tatsächlich Luft auf der Loggia dieses Baus schnappen und direkt vor dem Rundfenster aus Buntglas einen Blick auf die Piazza dell‘Esquilino werfen. Diese benediktinische Loggia wurde 1741 der Fassade aus dem 5. Jahrhundert vorgesetzt, sie offenbarte in ihrem Mosaik wertvolle Hinweise über die bauliche Vergangenheit der Basilika.

Das Rundfenster vom Innenraum aus betrachtet.

Santa Maria Maggiore besitzt ein Herz aus Gold. Ihrem atemberaubenden Innenraum möchte ich an dieser Stelle aber ein paar mahnende Worte widmen. Bereits in den Räumlichkeiten im ersten Stock sind mir die Portraits spanischer Könige und Königinnen aufgefallen, die über den ausgestellten Kostbarkeiten thronen. Und das nicht von ungefähr, denn die tiefgläubige Königin Isabella von Kastilien leistete einen unschätzbar wertvollen Beitrag zum Bau dieser Kirche. Mithilfe von tonnenweise Gold des Kontinents, der 1492 durch Kolumbus entdeckt und kolonialisiert wurde. 

A ceiling made of pure gold in Santa Maria Maggiore
Eine Decke aus purem Gold erwartet Besucher im Inneren der Basilika.

Beim Bewundern der Pracht von Santa Maria Maggiore dürfen wir die gewaltsame Herkunft dieses Goldes nicht vergessen. Es ist fraglich, ob eine Heilige, zu deren Ehren jährlich reinweiße Blüten von der Decke schweben, den Raub dieses Goldes und die gnadenlose Ausbeutung der Bevölkerung gut geheißen hätte. Diese Kirche soll uns auch daran erinnern, wie viel Blut hinter goldener Pracht in Europa stecken kann.

Portraits of Spanish kings and queens
Portraits spanischer Aristokraten, unter ihnen Königin Isabella von Kastilien.

Schlüsselfakten: Die heutige Basilika Santa Maria Maggiore ist eine von vier Patriarchalbauten in Rom. Sie folgte auf eine heute nicht mehr erhaltene Kirche und wurde im Jahr 434 geweiht. Neben dem berühmten Innenraum mit der goldenen Decke finden sich auch weitere Meisterwerke hier, etwa die Treppe des genialen Architekten Gian Lorenzo Bernini. Sie kommt ohne stützenden Pfeiler aus und ist Beweis für eine weitere künstlerische Hochleistung Berninis, der mit seinem Vater in der Basilika begraben wurde. Auch die zahlreichen weiteren Kulturschätze in dieser Kirche laden zu einem persönlichen Besuch ein.

Santa Maria Maggiore in Rome

Bis zum nächsten Beitrag…

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